Western vs. Dressur

Wenn ich einmal ganz ehrlich bin finde ich dieses ganze getue: "Nein ich bin ja ein Dressurreiter und kein Westernreiter" und umgekehrt ziemlich albern. Denn eines muss uns klar sein: "Wir reiten alle Pferde/Pony´s, die der gleichen Biomechanik unterliegen. Abgesehen von rassetypischen Unterschieden im Gebäude. Fakt ist, dass wir unsere Pferde gesunderhaltend reiten müssen egal welcher Reitweise wir angehören und welche Pferderasse wir reiten.

Meiner Meinung nach, sollte die Grundausbildung aller Pferde ähnlich gestaltet werden. Erst in der Spezialisierung (Turnierdiszipline) ist eine Unterscheidung notwendig. Denn jedes Reitpferd/Pony muss lernen "Druck " nicht mit Gegendruck zu beantworten sondern dem "Druck" vertrauenvoll zu weichen. Das Wort "Druck" benutze ich grundsätzlich ungern im Zusammenhang mit der Pferdeausbildung. Was ich hiermit meine ist das Anlegen des Schenkels aber auch die Herstellung von Kontakt zum Gebiss. Reiten ist eine ständige Kommunikation zwischen Reiter und Pferd. Je besser das Pferd gelernt hat auf die Anfragen des Reiters einzugehen und sie positiv zu beantworten umso näher kommen wir dem Ziel der Harmonie. Bei der Verständigung zwischen Reiter und Pferd ist es von enormer Wichtigkeit, in das Pferd hinein zu fühlen. Verständnis für den Charakter des Pferdes zu entwickeln, seine Lerngeschwindigkeit herauszufinden und seine Ausbildung perfekt anzupassen.

Was uns Reiter angeht, so ist ein ausbalancierter Sitz und eine feine gut dosierte Hilfengebung, die nur beim ausbalancierten Sitz möglich ist, ebenfalls bei allen Reitweisen und Pferderassen erforderlich!!!
Das setzt voraus, dass der Reiter zuerst einmal weiß und fühlen kann, wie das Pferd sich in jedem Moment unter ihm Bewegt. Das setzt das Wissen über die Schrittfolge der einzelnen Gangarten, Wissen über die Biomechanik von Reiter und Pferd, die anatomie und die korrekte Hilfengebung voraus.

Es gibt unzählige Sitzfehler wie z.B. ein festes Becken, den Stuhl oder Spaltsitz, das hochziehen der Absätze und viele mehr. Ich könnte hier unzählige Sitzfehler aufzeigen, die Western wie auch Dressurreiter täglich überkommen!


Die Hilfengebung ist nicht, wie so oft behauptet, absolut unterschiedlich. Im Grunde reagieren die Pferde alle auf ähnliche/identische Hilfen.

Sehen wir uns zum Schluss die Ausbildungsskala der FN und EWU an.
 

 EWU  FN
 1.) Takt  1.) Takt
 2.) Losgelassenheit  2.) Losgelassenheit
 3.) Nachgiebigkeit  3.) Anlehnung
 4.) Aktivierung der Hinterhand  4.) Schwung
 5.) Geraderichten  5.) Geraderichten
 6.) Absolute Durchlässigkeit  6.) Versammlung



Punkt 1.) und 2.) sind identisch. Bei Punkt 3.) heißt es bei der EWU Nachgiebigkeit bei der FN Anlehnung. Anlehnung heißt, das Pferd tritt vertrauenvoll an das Gebiss heran, akzeptiert es. Nachgiebigkeit ist im Grunde nichts anderes, ich stelle einen Kontakt zum Gebiss her, das Pferd gibt daraufhin in Genick und Hals nach. Unterschied der Westernreiter gibt daraufhin deutlich nach, da das Ziel ein Pferd ist, welches sich in schöner Selbstahltung trägt. Der Dressurreiter erhält den leichten Zügelkontakt gibt aber auch sanft nach, wodurch er einen feinen Zügelkontakt dauerhaft erhält. Ich schließe daraus, keine Anlehnung ohne Nachgiebigkeit! Wer nun bis dato der Meinung war, ein Westernpferd würde ausschließlich am losen Zügel geritten, der erkennt hier, das dies gar nicht möglich ist. Auch ein Westernpferd muss dem Zügelkontakt nachgeben und ihn akzeptieren. Nur so kann das Ziel des "Selbsttragens" erreicht werden
Punkt 4.) Da heißt es bei der EWU Aktivierung der Hinterhand und bei der FN Schwung. Schwung resultiert  aus einer weit vorschwingenden Hinterhand ausgelöst durch einen vorwärtstreibenden Schenkel des Reiters, welche einen Großteil des Gewichtes aufnimmt. Das energische Abfußen der Hinterhand wird über den Pferderücken zum Pferdemaul und somit an die Reiterhand geleitet, so schließt sich der Kreis! Schwung ist also ohne eine aktive Hinterhand nicht möglich!!!
Punkt 5.) ist ebenfalls identisch.
Kommen wir zum letzten Punkt der Ausbildungsskalen der absoluten Durchläßigkeit bei der EWU und der Versammlung bei der FN. Die absolute Durchläßigkeit errecht man erst nach durchlaufen der kompletten Ausbildungsskala und kann nur von fortgeschritten ausgebildeten Pferden erwartet werden. Sie umfasst ein willig an den Hilfen stehendes Pferd, welches sich kleinsten Veränderungen des Reiters weich und geschmeidig anpasst. Es nimmt mit der Hinterhand Gewicht auf, fußt weit unter seinen Schwerpunkt, wölbt den Rücken auf, entlastet seine Schulter und trägt sich in perfekter Selbsthaltung!
Bei der Versammlung des Dressurpferdes erreicht man diese auch nur bei Fortgeschrittener Ausbildung. Es beugt die Hanken vermehrt, die Schulter wird leicht, dadurch entsteht für den Betrachter die "Bergauftendenz". Auch hier kann die Versammlung nur erreicht werden, wenn das Pferd durchläßig ist also die Reiterhilfen durch läßt! Das Westernpferd hat zum Ende seiner Ausbildung auch eine gewisse Hankenbeugung nur ist die Aufrichtung wie man sie  bei einem Dressurpferd sieht nicht erwünscht.

Wenn man sich nun alles zusammen ansieht, so sind die Unterschiede doch verschwindend gering. Ich bin der Meinung es gibt nur Gute und Schlechte Reiter. die findet man in allen Reitweisen. Und jeder Reiter kann im Lager der anderen Reitweise bei einem guten Ausbilder noch sehr sehr viel lernen!

Gruß Andrea Wichmann

 

 

Hier finden Sie mich

Andrea Wichmann
Serrester Kirchweg 17
52428 Jülich

Kontakt

Rufen Sie einfach an unter

 

Tel.: 0157-39075063

 

oder nutzen Sie unser

Druckversion Druckversion | Sitemap
© Andrea Wichmann